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Streakrunning – 365 Tage in Laufschuhen

Ich habe es bei meiner Arbeit als Personal Trainerin mit den verschiedensten Läufertypen zu tun. Da gibt es die Genießer, die ambitionierten Renner, die Schönwetterläufer, die Trailliebhaber, und und und…

Und vielleicht begegnet Dir bei Deinen Läufen auch immer mal wieder ein Streakrunner.

Zu Beginn des Jahres ist die Motivation groß und das Motto “ganz oder gar nicht” ist Zeitgeist, so auch beim Laufen. Ob in den sozialen Medien oder in einschlägigen Fachzeitschriften, um das Thema Streakrunning kommst Du gerade mal so gar nicht herum. Und so werde ich auch immer wieder von meinen Läufern angesprochen und gefragt, was genau das eigentlich ist, was es zu beachten gibt, und ob das auch etwas für „mich“ ist.

 

Täglich in die Laufschuhe

Streakrunner laufen täglich. Ohne Ausnahme an 365 Tagen im Jahr.

Ursprünglich kommt das tägliche Laufen aus den USA, wie kann es anders sein ;-). Die Regeln der United States Running Streak Association (USRSA) sind einfach: Du musst jeden Tag mindestens 1,6 Kilometer (eine Meile) am Stück laufen, walken zählt nicht. Technische Hilfsmittel oder die Unterstützung durch Dritte sind nicht erlaubt. Der Streak muss dokumentiert sein. Kannst Du an einem Tag nicht laufen, gilt der Streak als beendet.

Der ein oder andere bekommt nun leuchtende Augen, und wieder andere kommen aus dem Kopfschütteln nicht heraus – warum um Himmels willen sollte man so etwas machen? Zumal die meisten Streakrunner täglich deutlich mehr als 1,6 km laufen.

Vielleicht ist das Streakrunning aber vor der anhaltenden Diskussion darüber, dass wir uns viel zu wenig bewegen, doch keine so unsinnige Idee? 10.000 Schritte am Tag werden als Mindestmaß angesehen, viele von uns schaffen das nicht und liegen deutlich unter dieser Marke. Vielleicht sollten wir uns das Ganze vor diesem Hintergrund doch einmal ansehen?

 

Macht Streakrunning also Sinn?

Als ich mir die Frage gestellt habe, ob es Sinn macht einen Streak zu laufen, habe ich erstmal versucht zu verstehen, was genau dahinter steckt. Wer macht das eigentlich? Was sind Gründe, Vor- und Nachteile?

Streakrunner kommen querbeet aus allen Gesellschaftsschichten. Arbeiter, Angestellte, Führungskräfte, Vorstände, Männer, Frauen – Streakrunner finden sich überall. Streakrunner lieben das Laufen, meist seit vielen Jahren, und haben oftmals eine ganz besondere Einstellung zum Laufen und zu sich selbst und ihrer Umwelt. Es geht ihnen um ein Laufen jenseits von Wettkämpfen, Bestzeiten und Anerkennung.

Auch für weniger erfahrene Läufer scheint das Streakrunning eine Option zu sein. 1,6 Kilometer sind für die meisten Läufer zu bewältigen. Eine spannende Sache ist, dass in den „Regeln“ keine Geschwindigkeitsangaben zu finden sind. Die Pace ist egal, es geht rein um die Idee des täglichen Laufens.

In dieser täglichen Routine sehe ich einen interessanten Aspekt des Streakrunnings: Als Streakrunner überlegst Du nicht, ob Du am Montag oder am Mittwoch läufst. Du läufst einfach jeden Tag. Die Fragen, die Du Dir vielleicht noch stellst, sind: wann und wie weit?

Wichtig ist jedoch das Bewusstsein, dass ein tägliches Laufen auch Gefahren mit sich bringt, wie Überforderung und Überlastung, aber auch die Gefahr, trotz Krankheit zu laufen.

Streakrunning macht dann Sinn, wenn Du verantwortungsbewusst damit umgehst und auf eine gute Balance zwischen Be- und Entlastung achtest. Auch bei täglichem Training solltest Du auf ein Mindestmaß an Regeneration achten, erst recht dann, wenn Dir zusätzlich eine Leistungssteigerung wichtig ist.

Bei Krankheit solltest Du einen Streak ausnahmslos beenden!

 

Ich versuche jetzt einmal, mich durch Eure Fragen zu hangeln:

(1) Kann Streakrunning gesund sein, oder spinnen die alle?

Ich bin gerade schon einmal kurz auf unser Bewegungsverhalten eingegangen. Konsens aller aktuellen Studien ist, dass sich die meisten Deutschen zu wenig bewegen. 10.000 Schritte täglich, oder, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO), 150 Minuten Bewegung oder 75 Minuten Sport in der Woche, sollten erreicht werden. Das schafft nur knapp die Hälfte aller Deutschen.

Sich täglich zu bewegen ist auf jeden Fall wichtig und gesund. Selbst täglich 1,6 Kilometer zu laufen ist für gesunde, etwas erfahrene und unverletzte Sportler kein Problem. Zumal jeder Läufer die Strecke in seiner eigenen Wohlfühlpace laufen kann.

Ein Streak ist aber auch, und vor allem, eine Challenge – geht es doch auch darum, den Streak so lange wie möglich durchzuhalten. Wenn der (selbstgemachte) Druck den Streak durchzuhalten dazu führt, dass Du trotz einer Krankheit oder Verletzung, mit der Du normalerweise keinen Sport machen würdest, dennoch läufst um Deinen Streak nicht zu beenden, dann kommen wir in Bereiche, wo es gesundheitsschädlich wird. Und diese Gefahr steigt mit der Dauer des Streaks. Je länger Du schon durchgehalten hast, desto schwerer wird es Dir fallen, den Streak zu beenden.

Wenn Du einen Streak anfangen möchtest, dann treffe mit Dir selbst die Vereinbarung, dass Du achtsam mit Dir und Deinem Körper umgehst und den Streak nicht auf Kosten Deiner Gesundheit aufrechterhalten wirst!

 

(2) Kann ich einen Streak laufen, obwohl ich nach einem Trainingsplan trainiere?

Wenn ich für meine Läufer Trainingspläne erstelle, dann achte ich auf eine gewisse Abwechslung. In meinen Plänen wirst Du lange Läufe finden, langsame Läufe, Bergläufe, Tempoläufe, Intervalle und Fahrtspiele. Die Liste ist lang, die unterschiedlichen Läufe setzen unterschiedliche Trainingsreize.

Genauso kann ein Streak einen neuen Trainingsreiz setzen. Du solltest nun aber nicht versuchen, Dein wöchentliches Laufpensum einfach auf sieben Tage zu verteilen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, um die richtige Mischung aus Be- und Entlastung zu finden, damit die gewollte Leistungssteigerung auch stattfindet.

Denn, bitte nicht vergessen: besser wirst Du nicht durch ein tägliches Training am Anschlag, sondern in den Ruhephasen, die in einen Streak jedoch nur schwer einzubauen sind.

 

(3) Wie lange sollte so ein Streak dauern?

Der längste bekannte Streak wurde von Ron Hill aus Accrington in England gelaufen, der vom 21. Dezember 1964 bis zum 29. Januar 2017, insgesamt 52 Jahre und 39 Tage, lief (Wikipedia, Stand 13.01.2020). Eine große Fangemeinde hat der von der Runner´s World initiierte Januar-Streak, bei dem viele Läufer den Start ins Jahr nutzen, um ihre guten Vorsätze direkt einmal in die Tat umzusetzen. Der Streak dauert dann vier Wochen, oder auch länger, wenn Du Geschmack daran gefunden hast.

Die Länge des Streaks ist prinzipiell Dir selbst überlassen. Solange Du gesund bist hast Du es selbst in der Hand aufzuhören oder weiterzumachen. Wichtig ist es jedoch auf Deinen Körper zu achten und Verletzungen und Krankheiten ernst zu nehmen und den Streak dann, so schwer es auch fällt, vernünftiger Weise zu beenden.

Manchmal macht es auch Sinn einen Streak in einen Trainingsplan einzubauen um einen neuen Trainingsreiz zu setzen. Dann wirst Du Dir neben der Gestaltung der einzelnen Einheiten auch Gedanken über die sinnvolle Länge und die Platzierung im Trainingsverlauf machen, vielleicht unterstützt von Deinem Trainer.

Viele Streaker sind sehr erfahrene Läufer, die seit vielen Jahren laufen und schon so einiges in ihrer Laufkarriere erreicht haben. Jenseits von Wettkämpfen und Bestzeiten suchen diese Läufer hier eine andere Art der Herausforderung und finden sie in einem oftmals viele Jahre andauernden täglichen Laufen.

 

(4) Was ist die besondere Herausforderung beim Streakrunning?

Wie oben bereits beschrieben, läufst Du in einem Streak täglich mindestens 1,6 Kilometer, was einer Meile entspricht. Wenn Du an sieben Tagen in der Woche diese Distanz läufst, dann kommst Du auf einen Wochenumfang von 11,2 Kilometern. Über diese Distanz werden viele Läufer nur müde lächeln und sie recht locker in einer einzelnen, oder vielleicht in zwei Einheiten absolvieren. Neben der Tatsache, dass die meisten Streakläufer täglich deutlich mehr als 1,6 Kilometer laufen, scheint die Distanz also nicht die Herausforderung sein.

Zunächst einmal ist ein Streak eine mentale Herausforderung. Und die besteht darin, wirklich jeden einzelnen Tag im Jahr zu laufen. Egal wie das Wetter ist, wie früh oder spät es vielleicht ist, welche beruflichen oder privaten Probleme Du gerade wälzt, ob Du Lust hast oder nicht. Auch 1,6 Kilometer müssen gelaufen werden, auch dafür muss eine Routine, ein Platz im Tagesablauf gefunden werden.

Bindest Du einen Streak in Deinen Trainingsplan ein und hast so zu dieser mentalen Herausforderung auch noch sportliche Ziele, dann wird das Ganze schnell zu einer größeren körperlichen Herausforderung. Denn wie vorher bereits beschrieben, benötigt der Körper für eine Leistungssteigerung Regenerationszeiten. Da können auch 1,6 Kilometer schon mal zu viel werden, denn: walken zählt nicht, die Strecke muss gelaufen werden!

Eine weitere Herausforderung sehe ich im Thema Achtsamkeit. Bei allem Ehrgeiz den Streak zu schaffen, ist es unerlässlich, auf Deinen Körper zu achten und Dir ehrlich einzugestehen, wenn das tägliche Laufen an der Gesundheit zehrt, oder der Streak durch eine Krankheit nicht weitergeführt werden kann. Mit Fieber durch die Gegend zu laufen, oder sich gar auf und ab durch das Wohnzimmer zu schleppen, hat meiner Ansicht nach nichts mehr mit sportlichem Ehrgeiz zu tun. Ein Streak sollte an dieser Stelle beendet werden, so schade es auch ist.

 

(5) Sind Streakrunner also doch laufsüchtig?

Ich denke nicht. Ich glaube, dass Streakrunner eine ganz besondere Einstellung zum Laufen und zu ihrem Körper gefunden haben. Sie haben das Ziel sich jeden Tag zu bewegen. Ein Hundebesitzer geht täglich mit seinem Hund eine Runde um den Block, der Streakrunner macht quasi das Gleiche, ohne Hund und laufend. Streaker sehen den Vorteil des täglichen Laufens vielleicht auch in der damit einhergehenden Routine. Das Laufen ist selbstverständlich. Das Schnüren der Laufschuhe gehört ebenso zum Tagesablauf wie das Mittagessen und das Zähneputzen.

Sicher gibt es Streakrunner, die täglich große Distanzen laufen und das ebenso genießen, wie der Streaker, der sich einfach jeden Tag seine Portion Licht und Sauerstoff auf einer kurzen 1,6 Kilometer-Runde holt. Für mich ist das keine Sucht, sondern eher ein Lifestyle.

 

(6) Wie sollte ich es angehen, wenn ich das auch einmal ausprobieren möchte?

Wenn Du Lust hast, einen Streakrun auszuprobieren, dann stelle Dir zunächst ehrlich die Frage, ob Du gesund bist. Hattest Du in den letzten zwei Jahren Verletzungen oder orthopädische Probleme? Bist Du häufiger krank? Dann solltest Du von einem Streak die Finger lassen.

Wenn das alles nicht der Fall ist, dann leg einfach los. Steig in Deine Laufschuhe und laufe los. Höre in Dich rein und finde heraus, was Dein Körper dazu sagt. Spiele mit der Streckenlänge und finde heraus, zu welcher Tageszeit sich der Lauf am besten realisieren lässt. Achte darauf, wie viel Energie es Dich kostet täglich zu laufen – wie sehr musst Du Dich überwinden, oder ist es vielleicht sogar viel einfacher, als drei Mal in der Woche zu laufen?

Vielleicht nimmst Du Dir zunächst vor, den Streak über drei Wochen oder 30 Tage durchzuhalten und ziehst danach Resumé, wie es Dir gefallen hat.

Ganz wichtig finde ich, dass Du einplanst, dass Du den Streak vielleicht beenden musst.

Ein Abbruch ist kein persönliches Scheitern! Ein Streak kann jederzeit wieder neu begonnen werden. Wenn Dir wirklich daran gelegen ist, dann heißt es auch hier: Krönchen richten und neu anfangen. Stellst Du fest, dass Du körperliche Probleme bekommst, oder Dir das Ganze schlicht und einfach keinen Spaß macht, dann lässt Du es. Ein Streak ist nicht für jeden Läufer eine Option!

 

Mein Fazit

Vorteile beim Streakrunning:

  • Die tägliche Bewegung wird zur selbstverständlichen Routine
  • Der Erfolg und die zunehmende Dauer des Streaks sind Motivation weiter zu laufen
  • Die Leistung jeden Tag zu laufen wird Dich mental stärken
  • Du wirst Dich fitter und leistungsfähiger fühlen
  • Du hast täglich eine Verabredung mit Dir selbst

Nachteile beim Streakrunning

  • Du musst jeden Tag laufen und das tägliche Laufen mit Deinem Alltag vereinbaren
  • Trainierst Du leistungsorientiert kann es zu Problemen mit der Regeneration kommen und möglicherweise stagniert Deine Leistungsentwicklung. Viele Streakrunner laufen daher keine Wettkämpfe (mehr)
  • Es besteht die Gefahr zu laufen, obwohl es gesundheitlich nicht mehr vertretbar ist (Krankheiten, Verletzungen, Schlafmangel). Je länger der Streak dauert, desto größer wird diese Gefahr

 

Ich bin kein Streakrunner. Dennoch habe ich pro Woche im Schnitt 15 – 20 Laufeinheiten. Was ich an meinem Job schätze, ist die Selbstverständlichkeit des Trainings. Genau das wäre es, was mir am Streakrunning bestimmt gut gefallen würde. Die Selbstverständlichkeit, jeden Tag die Laufschuhe zu schnüren und mich zu bewegen.

Was mich hindert ist das Thema Achtsamkeit, das ich mehrfach erwähnt habe. Klar könnte ich an meinen Pausentagen noch 1,6 Kilometer laufen und so recht einfach in einen Streak kommen. Ich merke aber, dass das meinem Körper nicht guttut, meine Leistungsfähigkeit sinkt und vor allem die Verletzungsanfälligkeit steigt. Wenn ich mich müde und schlapp fühle und mein Körper mich um eine Pause bittet, dann gebe ich ihm diese. Und genau das würde ich auch Dir ans Herz legen, so cool so ein Streak auch ist.

 

Wie ist es bei Dir? Hast Du Erfahrungen mit Streakrunning? Dann lass mich gerne teilhaben und schreibe mir! Kontakt

 

Und noch ein paar Tipps und weiterführende Links:

Auf der Website runeveryday.com kann man sich als Streakrunner registrieren und ziemlich unglaubliche Streaks bestaunen.

Ein paar Infos zum Thema Regenerations- und Ausgleichstraining findest Du hier: Blogbeitrag​

Bist Du an einer Trainingsplanung oder an einer persönlichen Betreuung interessiert? Dann stöbere doch einmal auf meiner Seite: Website​

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