Warning: Declaration of YOOtheme\Theme\Wordpress\MenuWalker::walk($elements, $max_depth) should be compatible with Walker::walk($elements, $max_depth, ...$args) in /homepages/26/d613808135/htdocs/clickandbuilds/WP_TopinForm/wp-content/themes/yootheme/vendor/yootheme/theme-wordpress/src/MenuWalker.php on line 8

Ragnar Relay Wattenmeer – ein Laufbericht

Vom 31. August bis zum 01. September 2019 fand der Ragnar Relay Wattenmeer statt. Ein nonstop Staffellauf, für 10 Läufer, von Hamburg nach St. Peter Ording. Während der zwei Tage habe ich Euch alle über Instagram und Facebook mitgenommen und möchte meine Erlebnisse nun noch einmal zusammenfassen und Euch über diesen sehr speziellen, tollen Lauf berichten.

Das musste ich jetzt erstmal etwas sacken lassen… ich bin noch immer tief beeindruckt und staune über das, was wir da so geleistet haben, und auch über Euch alle! Unfassbar, wie viele meine Instastory verfolgt haben und uns über die ganze Zeit immer wieder angefeuert, mitgefiebert, gejubelt und nach neuen Beiträgen gefragt haben! Riesen Dank!!

Über 255 km vom Hamburger Fischmarkt bis auf die Seebrücke von St. Peter-Ording. 10 Läufer, 30 Etappen, nonstop, begleitet von 2 Teamfahrzeugen. Nicht nur eine läuferische Leistung, sondern auch eine Herausforderung an Planung, Organisation, Logistik und Teamgeist.

Wie oft habt Ihr zwischendurch geschrieben “Ihr seid ja verrückt!”, “Wahnsinn”, “Wie irre seid Ihr denn??” – wie oft habe ich gedacht: “Bist Du eigentlich bekloppt? Was machst Du hier eigentlich!?”

Die Antwort kommt schnell und ist einfach: Laufen!! Bei einem ganz besonderen Event, mit einem tollen Team, zu ungewöhnlichen Zeiten, mit teils unbequemen Rahmenbedingungen auf einer unfassbar schönen Strecke.

Nachdem Team 1 mit Holger, Stefan, Martha, Maik und Thomas die Strecke von Hamburg bis zum Flughafen Uetersen-Heist grandios gemeistert hatte, übernahm ich von Thomas den Staffelstab und los ging meine erste Etappe. Ich war schon ein bisschen nervös, wie die Navigation klappen würde, aber, entgegen der Berichte vom Vorjahr, war die Strecke überragend ausgeschildert und mit dem GPX-Track auf der Uhr konnte mir ja nichts passieren… richtig… Nach 200m das erste Schild übersehen, die Uhr ignoriert und prompt gab es einen Extrakilometer. Aber zumindest war ich jetzt wach.
Nun aber erstmal in den Tritt finden, bei rund 34°C gar nicht einfach. Und dann mal an der Rennstrategie arbeiten.
Punkt 1: genießen. Check, läuft ab Minute 1 nach Verlaufen.
Punkt 2: Ziele setzen – Läufer einsammeln ist ein guter Plan finde ich.
Punkt 3: Doku. Fotos machen und Filmchen drehen – kann man ja später mal posten, vielleicht hat ja jemand Spaß dran…

Blick auf die Uhr: die ersten 8km sind um. Jetzt geht es in praller Sonne über Felder, ohne Schatten ganz schön anstrengend, durch Geplauder mit einem Ultraläufer, der sich 4km verlaufen hat, und der dann erstmal mein Wasser austrinken durfte, aber auch schnell vorbei. Und schon ist das erste Ziel und mein Team in Sicht. Übergabe an Dirk – Klickarmband weitergeben, Chip von Knöchel 1 an Knöchel 2, Boxenstopp klappt perfekt und schon ist Dirk auf der Strecke.

Mit Nicole, Irmi und Steffi ging es dann schnell zum WoMo und dann hieß es die Strecke zum nächsten Wechselpunkt zu finden um dort auf Dirk zu warten. An Umziehen war noch nicht zu denken, bei der Wärme lief die Suppe immer noch.

Nach Dirk war Irmi am Start, Wechsel 2 lief wie am Schnürchen und auf zum nächsten Wechselpunkt. Dort dann mal ein bisschen frisch gemacht und in trockene Plünnen geschlüpft. Wechsel 3 auf Steffi und Wechsel 4 auf Nicole wie im Bilderbuch. Am letzten Wechselpunkt ging die Sonne langsam unter, was uns eine wunderschöne Abendstimmung und tolle Bilder an der Elbe bescherte. Was für ein großartiges Erlebnis!!

Am nächsten Wechselpunkt erwartete uns Team 1 – jetzt mit Leuchtwesten und Lampen für die ersten Nachtetappen. Wir fuhren nun durch bis zum nächsten großen Wechselpunkt in Brunsbüttel und mussten einmal mit der Fähre übersetzen – sooooo schön!! Am Wechselpunkt hieß es dann ein bisschen essen, ausruhen, warten und alles für unsere Nachtetappen vorbereiten. Nun hatten wir zwar ein bisschen Zeit, an Ausruhen oder Schlafen war aber nicht zu denken. Zu aufgeregt waren wir noch und am Wechselpunkt war ein ständigen Kommen und Gehen und großes Hallo. Zudem machte uns das Wetter ein bisschen Sorge. Im Wetterbericht und über die Ragnar-Hotline waren Gewitter angekündigt und der Himmel verdunkelte sich zusehends.

Um kurz vor Mitternacht kam die Nachricht, dass Maik an der Fähre ist und 20 Minuten später ging es für mich auf die zweite Etappe. Mit Musik und Blödelei war die Müdigkeit am Start schnell verflogen und ich hatte trotz der späten Stunde Lust zu ballern – mit knapp 6km war das meine kürzeste Etappe und die wollte ich rennen. Am Himmel zuckten die Blitze wie wild und wir schauten immer wieder etwas bange nach oben, aber anscheinend zog das Gewitter am Horizont vorbei. Auch dieser zweite Teamwechsel klappte reibungslos und auf ging es nun für mich auf den Deich. Im Dunkeln haben wir uns mit dem Fahrrad begleitet, Steffi radelte also fröhlich neben und hinter mir her. Und es lief wie am Schnürchen mit prima Pace. Der Brüller waren die Schafe, die auf und neben dem Weg versuchten ein Nickerchen zu machen… wurde ne kurze Nacht für die Mädels.
Kurz vor Ende sage ich zu Steffi “der Dirk soll gleich Gas geben! Das läuft super mit leichtem Rückenwind, klasse!” Ich hatte es noch nicht ganz ausgesprochen – mit dem kam ein mega Sturm auf. Aus dem Nichts! Ich bin auf den letzten 500m kaum noch von der Stelle gekommen. Krass!!!

Nachdem ich das Wohnmobil mit Irmi und Nicole gefunden hatte, ging es schnell zum nächsten Wechselpunkt. Mittlerweile stürmte es nicht nur, sondern es kam auch der ein oder andere kräftige Schauer vom Himmel. Dirk hat gekämpft wie ein Löwe um gegen den Sturm anzurennen. Riesen Respekt!! Als nächstes musste Irmi bei Wind und Regen auf ihre Nachtetappe, begleitet von Nicole. Auf dem Weg zum nächsten Wechselpunkt klingelt plötzlich das Handy – oh Schreck, die beiden haben sich verlaufen! Der Wind hatte die Schilder weggeweht und die App hatte sich aufgehängt. Nach einigem lotsen und verrauschten Telefonaten waren die beiden aber wieder auf der Strecke und dann auch schnell am Wechselpunkt, sodass Steffi begleitet von Dirk auf die nächste Etappe gehen konnte. Puh!

Mittlerweile hatten sich Wind und Regen wieder verzogen und Steffi konnte gut laufen. Da Nicole sich etwas verletzt hatte und Irmi noch voll unter Strom stand, hat Irmi die Strecke von Nicole kurzerhand übernommen und bravourös gemeistert. Schon übergaben wir nach fünf Etappen wieder an Team 1 und fuhren zum nächsten Wechselpunkt, in der Hoffnung hier ein bisschen Schlaf zu bekommen.

Nach zumindest ein paar gedösten Minuten, wechselten wir um halb 9 wieder mit Team 1 und machten uns von Büsum aus auf die letzten 5 Etappen. Zeitlich lagen wir schon gut eine halbe Stunde vor unserer errechneten Zielzeit.

Morgens war es nun etwas frischer und das war auch gut so. Nach mittlerweile über 25 Stunden auf und 19km in den Beinen war ich gespannt, was mein Körper so zu einem kleinen Laufründchen sagen würde, und wurde durch die frische Luft zumindest ansatzweise wach.
Am Wechselpunkt war dann schnell die nötige Portion Aufregung da und nach einem wiedermal perfekten Boxenstopp ging es auf die Strecke. Nach 300m der erste Anstieg über eine Brücke, danach dann Treppentraining bis auf den Deich. Jetzt war ich endgültig wach. Oben auf dem Deich ein herzliches Willkommen von einer durchaus steifen Brise – natürlich (!) von vorne. Die hat mich dann auch die kompletten noch folgenden 8 km begleitet. Nach drei Kilometern war ich aber endgültig im Tritt und konnte mit einer Pace um die 5:45 am Meer entlang cruisen. Die Schafmädels waren inzwischen wach, aber noch beim Frühstück und nicht so wirklich für ein Selfie zu begeistern. Die erste einzuholende Staffel war auch schnell in Sicht, hat sich geschlagen gegeben und mir dann sogar das Schaftörchen aufgehalten. So muss das! Und dann habe ich einfach nur genossen und bin mit einem seligen Grinsen über den Deich gerannt. Was will Frau mehr. Laufen, Schafe, Meer, Wetter, Möwen, Schiffe, Wolken. Einfach nur großartig. Die Etappe war viel zu schnell vorbei. Da Nicole immer noch nicht wieder laufen konnte, würde ich aber auch noch die letzte Etappe übernehmen und freute mich darauf schon wie Bolle.

Der nächste Wechselpunkt kam in Sicht, dieses Mal Wechsel auf Steffi. Sie wollte einmal ballern und hat mit Dirk die Etappe getauscht. Kurz und knackig! Mega gut gemacht!! Am Wechselpunkt ein fettes Strahlen im Gesicht. Wechsel auf unser Duracell-Häschen Irmi, die vor lauter Vorfreude kaum zu halten war und eine mega Etappe hingelegt hat! Übrigens wieder im Regen, den hatte Irmi irgendwie abonniert… nun kam Dirk an die Reihe, der auch endlich wieder auf den Deich – und es langsam angehen wollte… ja siiiichaaa. Auch er in einer mega Pace unterwegs. Glaub wir sollten demnächst nur noch ohne Schlaf die Wettkämpfe laufen!

So. Und nun die letzte Etappe, nicht nur für mich, sondern für den diesjährigen Ragnar…
Maik und Stefan brauchten noch Trainingskilometer und haben mich begleitet. Nach zwei Schritten die vorsichtige Frage: “Ist es eigentlich windig?” Auf mein “ja klar, wie die ganze Zeit halt”, erfuhr ich nun, dass es anscheinend nur bei uns windig war… na klasse…

Auch jetzt ging es zunächst mal auf und am Deich entlang, meine Beine meldeten so langsam Alarm, meine beiden Unterhalter waren jedoch kaum zu bremsen und redeten viel, so konnte ich zumindest atmen. Irgendwann erreichten wir St. Peter-Ording und nun ging es durch Wäldchen und Straßen, immer noch flott, dem Strand entgegen.

So. Und nun wurde es am großartigsten. Gänsehaut pur. Sand, Meer, Kitesurfer, Muscheln, Wind und wir mittendrin. Ich dachte ich träume. Da hätten wir auch bleiben können.
Aber tatsächlich mussten wir da durch. Wenn die Beine jetzt noch nicht schwer waren wurden sie es im Sand bestimmt. Der Weg war keine Ahnung wo, die Uhren und nette Standpolizistenoderso zeigten uns die grobe Richtung, und irgendwann landeten wir dann auf der Seebrücke, wo uns der Rest des Teams erwartete. Gemeinsam haben wir die letzten Meter genossen und gefeiert. Und dann brauchte ich erstmal ein paar Minuten für mich. Es ist lange her, dass nach einem Zieleinlauf die Tränen flossen. Nach 35 Stunden ohne Schlaf, 25:44,44 Stunden Laufzeit (über eine Stunde schneller als vorab berechnet), mehr als 255 Laufkilometern, davon 36,2 in meinen Beinen war das jetzt einfach überwältigend. Das wird sicher noch einen Moment dauern, bis das alles angekommen ist. Ich bin so froh, dass mein Körper bei meinen verrückten Aktionen so gut mitspielt…

Ein Wahnsinnslauf, ein tolles Team, ein großartiges Erlebnis.
Danke für Euren Support auf allen Kanälen, Ihr wart großartig und quasi live dabei.

Laufberichte

Schreibe einen Kommentar