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Herzmuskelentzündung bei Sportlern

Ein Interview mit Christoph Nierkens und Dr. Ulrich Schneider

 

Was meine Sportler eint, ist ihre Freude an Sport und Bewegung. Viele von ihnen haben konkrete Ziele, die sie in naher Zukunft erreichen möchten und trainieren fokussiert und regelmäßig. Was dann so gar nicht in den Plan passt, ist ein Infekt. Gerade für Sportler, die nach einem Trainingsplan trainieren, ist die Vorstellung, dass ein Training, oder vielleicht sogar eine ganze Trainingswoche ausfallen muss, entsetzlich.

Schon scheint die Bestzeit zu wackeln, die in den letzten Wochen mühsam erreichten Fortschritte scheinen dahin zu schwinden und die Unzufriedenheit wird groß und größer. Auch meine Versicherungen, dass ich immer einen gewissen Puffer in meine Pläne einbaue und Verletzungen und Infekte in der Vorbereitung einkalkuliere, dass die Trainingsfortschritte nicht den Bach runter gehen, der Körper beim Training mit Infekt keinen Schritt weiterkommt und das Risiko einer ernsthaften Erkrankung gegeben ist, helfen oftmals nur wenig. Ein Tag Pause muss reichen, vielleicht ein Zweiter. Danach wird der restliche Infekt halt „ausgeschwitzt“. Eine Herzmuskelentzündung oder eine ähnlich schlimme Erkrankung ist doch selten, die bekommen andere, ich nicht. Das alles scheint weit entfernt.

Vor ein paar Wochen las ich den Instapost eines befreundeten Läufers, in dem er begeistert von einem Intervalltraining berichtete. Wenige Stunden später, ich musste zwei Mal hinsehen, grüßte der gleiche Sportler dann plötzlich aus dem Krankenhaus, mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung.

Ich habe die Beiträge von Christoph weiter verfolgt, möchte Euch heute seine Geschichte erzählen und zeigen, dass eine Herzmuskelentzündung, ein Myokarditis, gar nicht so weit entfernt ist, wie man als gesunder Sportler vielleicht denken mag. Medizinisch-fachlich werde ich unterstützt von Dr. Ulrich Schneider, der als Leiter der Sportmedizinischen Abteilung der Sportklinik in Hellersen tagtäglich mit Sportlern arbeitet.

Herr Dr. Schneider, vielen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen! Können Sie beschreiben, was eine Herzmuskelentzündung ist und wie sie entsteht?


“Bei einer Herzmuskelentzündung werden Herzmuskelzellen beschädigt. Die Schädigung und die begleitende entzündliche Reaktion können beispielsweise zu einem Funktionsverlust des Herzens, z. B. einhergehend mit einer Leistungsminderung, oder zu Herzrhythmusstörungen führen. Häufig sind virale oder bakterielle Erreger dafür ursächlich, die im Rahmen eines Infektes (z. B. der Atemwege) dann in der Folge auch den Herzmuskel schädigen können.”

 

Haben Sie in Ihrer täglichen Arbeit mit dieser Erkrankung zu tun?

“Mit der Problematik einer Myokarditis haben wir häufiger zu tun, glücklicherweise jedoch nicht täglich. Im Rahmen sportmedizinischer Untersuchungen wird vielmehr häufig die Frage von Sportlern gestellt, ob nach einem Infekt oder bei einer deutlichen Leistungsminderung auch alles in Ordnung sei.”

 

Christoph, Du bist ein ambitionierter Läufer und sehr fokussiert in Deinem Training. Vor ein paar Wochen sah ich gerade noch einen Post zu einem Intervalltraining und wenige Stunden später kam der nächste Bericht aus dem Krankenhaus – erzähl mal! Was ist denn zwischendurch passiert?

“Ich kam nach dem Training Hause, ging auf Toilette und plötzlich hatte ich ein komisches, kribbeliges, unwohles Gefühl in der Brust. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, da es weder schmerzhaft, noch sowas wie ein Krampf war. Das Gefühl kam mir aber bekannt vor, da ich es schon so 2-3 mal in den letzten Jahren beim Laufen hatte. Dann allerdings nur so 2-3 Sekunden und ich habe nie weiter darüber nachgedacht. Ich ging nun erstmal duschen, zog mich an und setzte mich zu meiner Frau, damit wir zu Abend essen konnten.

Doch das komische Gefühl war immer noch da. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie bekam ich den Eindruck, dass das nicht mehr normal war und ich kontrollierte den Puls.

Ich fühlte drei normale Schläge, Aussetzer, drei schnelle Schläge und immer so weiter.

Da ich das nicht glauben konnte, bat ich meine Frau darum es auch zu prüfen und sie bestätigte meine Feststellung.

Da ich noch ein Blutdruckmessgerät aus meinen „fetten“ Jahren hatte, in denen ich meinen zu hohen Blutdruck im Auge behalten musste, habe ich dann auch noch den Blutdruck gemessen. Das Ergebnis war dann 170/110, was ich bedenklich fand.”

 

(Eine Anmerkung zwischendurch: ein Blutdruck in dieser Höhe entspricht einer Hypertonie (Bluthochdruck) 2. Grades. Dem sollte durchaus Aufmerksamkeit geschenkt werden, auch wenn keine weiteren Symptome, wie Herzrhythmusstörungen, vorliegen.)

 

“Ich bin wirklich nicht jemand, der für jede Kleinigkeit zum Arzt geht und schon gar nicht ins Krankenhaus, aber diesmal dachte ich, es ist heute definitiv die richtige Entscheidung zum Krankenhaus zu fahren, da wir ja auch schon ca. 21:00 Uhr hatten und ich nicht den Eindruck hatte, dass das Problem von alleine verschwinden würde. Ich hatte Sorgen, dass es noch schlimmer werden würde. Wir reden ja hier nicht von einer Wadenzerrung oder sowas, sondern von meinem Herzen, welches mich am Leben hält.”

 

Herr Dr. Schneider, sind das, was Christoph beschreibt, typische Symptome einer Myokarditis? Gibt es noch andere? Wie merke ich, dass da etwas nicht stimmen könnte, wann sollte ich mir Gedanken machen?

“Ja, die beschriebenen Symptome können tatsächlich schon Hinweise für eine Herzmuskelentzündung sein. Beschrieben werden deutliche Veränderungen des Pulses, die Anzeichen für eine Herzrhythmusstörung sein können. Weitere Symptome können beispielsweise ein Herzrasen sein, eine deutliche Leistungsminderung mit Luftnot schon bei leichten Belastungen oder ein Druckgefühl in der Brust. Liegen solche Symptome vor, sollte unbedingt eine kardiologische Untersuchung erfolgen. Meist merkt man auch allgemein, dass „irgendetwas nicht stimmt“, genau so, wie es auch bei Herrn Nierkens der Fall war.”

 

Christoph, wie ging es dann im Krankenhaus weiter? Wie haben die Ärzte eine Myokarditis festgestellt?

“Ich meldete mich in der Notaufnahme an, wo ich zum Glück nicht lange warten musste.

Ich wurde befragt, was denn passiert wäre und ob ich Schmerzen in der Brust hätte, was ich verneinen konnte. Man schloss ein EKG an, ich bekam einen Zugang und man nahm mir Blut ab.

Nach ca. eineinhalb Stunden sagte mir der Assistenzarzt, dass er das EKG schon sehr bedenklich findet und er der Meinung wäre, das ich zur Kontrolle im Krankenhaus bleiben sollte. Das Blutbild wäre bis auf leicht erhöhte Entzündungswerte zwar einwandfrei, dafür hätte ich aber Vorhofflimmern, was Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Seiner Meinung nach würde es auch sogenannte „ST-Hebungen“ geben, die auf einen Herzinfarkt hinweisen würden.

Am Folgetag würde man mich dann genauer untersuchen um dann festzustellen, was ich wirklich habe. Eventuell müsste man mir dann auch einen Katheter zum Herzen legen um eine Gewebeprobe zu nehmen und um zu schauen, ob die Arterien frei wären.

Irgendwie war das schon krass. Vor wenigen Stunden bin ich noch Intervalle gelaufen und jetzt lag ich in der Notaufnahme und hatte Angst um mein Leben.

Am nächsten Tag ging es weiter. Der leitende Oberarzt untersuchte mich. Er hatte sich das EKG des Vorabends angesehen und teilte zumindest die Bedenken eines Herzinfarktes nicht. Nun wollte er sich mal genauer anschauen was los war.

Wir machten ein „Echo“ von meinem Herzen, bei dem er einen kleinen Erguss feststellte, es aber nicht als dramatisch ansah. An der Stelle fällt mir gerade ein, dass er mich während der Untersuchung fragte, ob ich vor kurzem krank war. Ich sagte ihm, dass wir in den ersten zwei Wochen des Jahres auf einem Kreuzfahrtschiff waren und ich am letzten Abend an Bord Schnupfen bekam. Ich kam am Freitag zurück und war am Sonntag wieder beschwerdefrei. Auf Grund dessen war ich dann auch erst am Dienstag wieder laufen.

Mit diesem Wissen und dem was er sah, meinte er, es wäre wohl eine Myokarditis. Es folgte ein Belastungs-EKG, das wirklich einwandfrei verlief. Der Puls stieg und die Aussetzer verschwanden währenddessen. Ich fühlte mich wohl und erleichtert.

Am Nachmittag sollte ich mich dann noch zum MRT einfinden. Ich hatte bis dahin richtig gute Laune, weil ich mich schon darauf freute wieder nach Hause zu können.

Man erklärte mir wie das MRT abläuft – dass mir Kontrastmittel gespritzt wird und dass ich immer wieder dazu aufgefordert werde meinen Atem anzuhalten. Das ganze MRT würde dann ca. 20-30 Minuten dauern.

Nach gefühlt 30 Minuten zog man mich dann aus dem MRT raus und erklärte mir, dass man einen Betablocker nachspritzen müsste, da mein Herz zu unregelmäßig schlagen würde. Nach weiteren 30 Minuten brach man den Versuch ab und erklärte mir, dass man keine verwertbare Aufnahmen machen konnte, da mein Herz einfach zu unregelmäßig schlägt.

Der Arzt erklärte mir, dass es im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand kommen könnte, wenn die Impulse, vereinfacht gesagt, vom Vorhof mit dem Herzmuskel kollidieren würden. Statt nach Hause zu fahren, führte mein Weg nun direkt auf die Intensivstation, wo ich komplett verkabelt wurde. Am linken Arm die Manschette vom Blutdruckmessgerät, auf der Brust die Elektroden und am rechten Arm wurde an dem vorhandenen Zugang auch noch eine Infusion angeschlossen. Der Pfleger erklärte mir, dass das EKG eventuell mal einen Alarm auslösen würde, ich mir aber erst Sorgen machen müsste, wenn er hektisch werden würde.

An dem Punkt wollte ich dann erstmal nicht mehr nach Hause. Denn würde es im schlimmsten Fall zu einem Stillstand kommen, wäre ich hier definitiv am besten Ort um Hilfe zu bekommen.

Dennoch hatte ich eine sch*** Angst um mein Leben. Das ist jetzt nicht einfach so daher gesagt, es war echte Angst. Ich schaute weinend in die Augen meiner Frau und sagte ihr, dass ich eine unglaubliche Angst habe und dass das Alles nicht meinem Plan für unser Leben entspricht.

Im Laufe der Nacht beruhigte sich mein Herz dann zum Glück wieder. Als ich so gegen vier Uhr aufwachte, waren auf dem EKG keine Aussetzer mehr zu sehen und der Puls von 72 runter auf 46.

Am Vormittag kam ich auch endlich wieder auf die vorherige Station. Dort blieb ich dann noch bis Dienstag früh, da ich von Montag auf Dienstag noch ein Langzeit-EKG bekam.”

 

Puh. Was für eine aufregende Zeit. Ich finde, hier bekommt man einen ganz guten Eindruck davon, wie ernst eine solche Erkrankung ist und welche Auswirkungen die ganze Situation auf den Betroffenen selbst hat. Wie Christoph immer wieder sagt, es geht hier nicht um eine Zerrung, sondern es geht um Deinen Motor, der Dich antreibt und am Leben erhält…

 

Christoph, was war aus Deiner Sicht und aus der der Ärzte die Ursache für die Myokarditis?

“Höchstwahrscheinlich war der Auslöser der verschleppte Schnupfen, den ich mir auf dem Schiff eingefangen hatte. Ich würde sagen, dass es vermutlich gar nicht so schlimm gekommen wäre, wenn ich zwei Tage nach der Erkältung nicht gleich mit einem harten Tempolauf und den intensiven Intervalltrainings in den dann folgenden vier Wochen weiter gemacht hätte.”

 

Herr Dr. Schneider, ist so etwas ein typischer Auslöser einer Myokarditis?

“Das ist durchaus ein möglicher Auslöser und Mechanismus einer Herzmuskelentzündung. Ein Zusammenhang zur vorangegangenen Infekten kann immer wieder festgestellt werden.”

 

Christoph, wie geht es Dir aktuell und wie sieht die Behandlung aus?

“Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde sagte man mir, dass ich für mindestens 3 Wochen krank geschrieben sei, ich mich schonen und jeglichem Stress aus dem Weg gehen soll.

Betablocker sollte ich für mindestens 6 Wochen nehmen und noch ein weiteres Medikament gegen die Entzündung, sowie Magnesium.

Des weiteren darf ich mindestens 3 Monate keinen Sport machen. Mein Hausarzt sagte mir, dass ich mir einen Termin beim Kardiologen für in sechs Wochen holen solle. Sollte der Erguss dann weg sein, kann ich zumindest „leichte Erholungsläufe“ machen.

Nach gut zwei Wochen, die ich nun zuhause bin, geht es mir zumindest psychisch mittlerweile wieder ganz gut. Körperlich kann ich es nur annehmen. Die ersten 10 Tage nach der Entlassung hatte ich immer wieder Panikattacken und habe mir, bzw. meinem Körper, nicht mehr vertraut. Jedes Zwicken und Ziepen, jede Pulsveränderung, ganz besonders, wenn er mal unter 40 abfiel, verunsicherte mich. Die psychische Belastung war echt nicht ohne.”

 

(Eine Anmerkung zwischendurch: Das Interview habe ich Ende Februar geführt. Auch nach dem Interview hatte Christoph immer wieder Panikkattacken und muss recht intensiv daran arbeiten wieder Vertrauen zu seinem Körper zu bekommen.)

 

Herr Dr. Schneider, wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber, dass eine Myokarditis nicht nur körperliche, sondern auch psychische Auswirkungen haben kann, noch keine Gedanken gemacht. Jetzt erscheint es mir sehr nachvollziehbar. Haben Sie das auch schon mal erlebt? Wie sind die Sportler damit umgegangen?

“Die psychische Komponente im Rahmen einer Herzmuskelentzündung ist nicht zu unterschätzen. Gerade leistungsorientierte Sportler legen viel Wert auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Neben der Angst um die Gesundheit ist häufig auch das Vertrauen in den eigenen Körper herabgesetzt. Dieses Vertrauen muss letztendlich wieder aufgebaut werden. Schon kleine Schritte in Richtung der Wiedererlangung der Leistungsfähigkeit sollten als Erfolg gewertet werden. Man muss Geduld mit sich und seinem Körper haben und sich vor allem nicht durch irgendwelche Zielsetzungen im Sport unter Druck setzen lassen. Der Rest kommt dann meist von ganz alleine. Die Leistungsfähigkeit nimmt meist wieder zu und normalisiert sich, das Vertrauen in den eigenen Körper wächst. Ein grober Zeitplan hierfür kann für den ein oder anderen hilfreich sein, nur sollte er, wie bereits beschrieben, nicht zur Last werden. Zeit nehmen ist ein wichtiges Gebot.”

 

Christoph, was bedeutet das, was Du in den letzten Wochen erlebt hast, für Deinen Sport? Welche Gedanken gehen Dir aktuell durch den Kopf und wirst Du zukünftig etwas anders machen?

“Wie ich schon erwähnte, darf ich voraussichtlich 3 Monate nicht laufen.

Das ist hart. Aber auch das geht rum. Jetzt, wo ich meinem Körper langsam wieder vertraue und ich immer zuversichtlicher bin, dass ich wohl mit einem blauen Auge davon gekommen bin, fällt es mir zunehmend schwerer die Füße still zu halten.

Es hätte mich ganz sicher auch schlimmer treffen können, Stand jetzt. Die bisherigen Wettkämpfe bin ich ohne jegliche medizinische Kontrolle gelaufen, weil ich immer belächelt habe, wenn andere Läufer erstmal ihre Ärzte befragt haben, „ob Sie denn laufen dürften“. Das hätte auf einem der Marathons auch tödlich enden können, wäre ich zuvor erkrankt.

Ja, ich werde etwas anders machen. Ich werde in Zukunft doch des Öfteren mal zum Arzt gehen um mich durchchecken zu lassen und auch einen Schnupfen in Zusammenhang mit Sport ernst nehmen.”

 

Herr Dr. Schneider, können medizinische Check-ups eine Myokarditis verhindern, oder zumindest frühzeitig entdecken? Gibt uns das dann eine größere Sicherheit, unseren Sport gesund betreiben zu können?

“Sportmedizinische Untersuchungen sind eine Möglichkeit Auffälligkeiten zu entdecken. Bei der Bewertung der Untersuchungsbefunde sollte immer auch eine Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen, das heißt wie kann ich ein Training (auch leistungsorientiert) über einen längeren Zeitraum gesundheitsorientiert betreiben. Ein Sportcheck schließt aber nicht die Möglichkeit aus, eine Myokarditis nach einer Untersuchung zu bekommen. Wie wir im Beispiel gelernt haben, kann eine sportmedizinische Untersuchung unauffällig sein und eine Erkrankung erst im Anschluss an einen dann möglicherweise folgenden Infekt auftreten. Daher ist neben einer sportmedizinischen Untersuchung (welche auch in anderer Hinsicht sinnvoll ist) auch eine eigene realistische Körperwahrnehmung von großer Bedeutung.”

 

Christoph, zum Schluss, welchen Rat würdest Du anderen Sportlern geben?

“Macht nicht den selben Fehler wie ich. Lasst Euch regelmäßig durchchecken.

Wenn Ihr nach einer Erkältung schon laufen geht, haltet die Läufe kurz und bleibt im niedrigen Pulsbereich. Oder noch besser, nehmt euch `ne Auszeit vom Laufen und macht stattdessen leichtes Krafttraining oder macht Spazierfahrten mit dem Fahrrad. Eine oder zwei Wochen kein Sport sind schließlich nicht so schlimm wie eine ernsthafte Erkrankung des Herzens oder monatelang kein Sport.”

 

Herr Dr. Schneider, wie sieht Ihre Empfehlung an uns Sportler aus?

“Ich kann der vorangegangenen Empfehlung nur zustimmen. Ein Training sollte nach einem Infekt unbedingt ausgesetzt und erst nach Abheilen der Symptomatik wieder aufgenommen werden. Hierbei sollte dann ein zunächst moderater Trainingsaufbau im Vordergrund stehen. „Harte Einheiten“ können erst wieder durchgeführt werden, wenn ein Grundlagentraining problemlos absolviert werden kann. Denn eines ist klar: Ein Training wird nur leistungsfördernd sein, wenn es auch qualitativ hochwertig durchgeführt werden kann. Es nützt nichts, eine Trainingseinheit nur wegen eines Planes durchzuführen, obwohl der Sportler sich schlapp und müde fühlt. Daher kann ich nur den Rat geben, sich selbst gegenüber sehr ehrlich zu sein. Im Zweifel sollte eine ärztliche Vorstellung erfolgen.”

 

Ganz herzlichen Dank, Herr Dr. Schneider, dass Sie sich die Zeit genommen haben meine Fragen zu beantworten. Und vielen lieben Dank, Christoph, dass Du uns an Deinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt. Ich glaube, dass das Thema mit Deiner Geschichte deutlich greifbarer wird, als wenn man nur den abstrakten Begriff „Myokarditis“ oder „Herzmuskelentzündung“ vor Augen hat.

Ich gebe meinen Sportlern immer den Rat einen Infekt erst zu nehmen, sich zu schonen und nicht zu früh wieder in das Training einzusteigen. Tatsächlich ist es eine schwierigere Aufgabe hochmotivierte Sportler zu bremsen, als einen Couchpotato zur Bewegung zu motivieren. Aber aus meiner Erfahrung hat es sich noch nie gelohnt nach einem Infekt (zu) schnell wieder in das Training einzusteigen. Auch, wenn eine Myokarditis bei meinen Sportlern zum Glück bislang noch kein Thema war, sehe ich doch immer wieder, dass sich Infekte deutlich länger hinziehen und es nach einer vermeintlichen Genesung schnelle Rückfälle oder erneute Infekte gibt, wenn sich der Sportler nicht gründlich genug auskuriert.

Achte auf Dich! Nimm Deinen Körper wichtig! Wir können noch so viele Jahre sporttreiben, da kommt es auf eine oder zwei Wochen, in denen sich der Körper mal eine Auszeit nimmt, nicht an. Bleib gesund!

 

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