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Laufen zu Corona-Zeiten: Ein glückliches Gefühl

Ein Gastbeitrag von Roland Leroi

Enttäuschung, oder gar Orientierungslosigkeit, die sich – vielleicht gerade weil sie so absurd erscheint – durch die zunehmende Auseinandersetzung damit, in Glücksgefühle und pure Entspannung bei unseren Laufaktivitäten verwandelt? Das gibt’s offensichtlich, und die Frage nach einer besonderen Corona-Erkenntnis – immer auf das Laufen bezogen – wurde zuletzt in meinem Umfeld vielfach gestellt.

 

Bisweilen erscheint dann die These, dass „Corona doch auch etwas Gutes hat, oder…?“. Das scheint nun arg absurd und vermutlich gab oder gibt es kaum Menschen, ob sie nun dabei gewesen sind oder nicht, die fröhlich behaupten, dass die Pest, die viele Jahrhunderte als Seuche und schwarzer Tod durch die Länder zog, etwas Gutes hatte. Bestimmt wurde über diese Frage in den schwierigen Zeiten nicht mal nachgedacht, wahrscheinlich wurde damals auch nicht gelaufen und es gab mit Sicherheit auf der Internet-Palette keine Posts von glücklich aussehenden Läuferinnen und Läufern. Mich hat diese Fragestellung allerdings zumindest bei ein paar Läufen beschäftigt.

 

Bin ich jetzt glücklicher, oder sehe auch nur so aus, weil die Corona-Umstände das – respektive mein Laufleben – verändert haben? Das ist wie in so vielen Bereichen und Lebenslagen ein persönliches Empfinden, gleichwohl fällt es mir schwer einzuschätzen, wie es gelaufen wäre ohne die Corona-bedingten Umstände. Grundsätzlich zählt das, was zu ändern ist und ich kann mich daran aufreiben, bzw. das Glückslevel erhöhen, oder im schlechteren Falle minimieren, wenn ich etwas ändere oder eben nicht. Die aktuellen Rahmenbedingungen kann ich im Gros nicht ohne weiteres beeinflussen. Entsprechend hilft auch zetern und hadern über die und mit den Umständen nichts.

 

Obwohl ich zu gewissen Zeiten sehr gerne Wettbewerbe gelaufen bin, habe ich seit Mitte März eigentlich zu keiner Stunde einen vermisst. Schließlich wird uns das Laufen nicht genommen und dass wir es auch jetzt noch können, ist ein Geschenk für alle, die sich beschenken lassen wollen. Und ob ich jetzt mit oder ohne Startnummer laufe, nimmt während des Laufs keinen Einfluss auf die Freude am Moment. Ganz bestimmt ist die freie Selbeck-Runde genauso unterhaltsam wie die Trasse zwischen Zeche Zollverein und Nordstern-Park, die am 17. Mai beim Marathon in Gelsenkirchen/Essen zwei Mal zu durchlaufen gewesen wäre.

 

Rein subjektiv fühle ich mich weder glücklicher, unglücklicher noch getrieben-hektischer oder entschleunigter – allerdings weiß ich ja nicht, wie ich mich anderweitig gefühlt hätte. Es ist, wie es ist – und zugleich ist es bei anders gelagerten Prioritäten eine Selbstverständlichkeit, das anders zu bewerten. Neue Wege, spannende Strecken gibt es in allen Bereichen zu entdecken, bzw. wieder zu entdecken. Gut, wenn das jetzt gelingen kann. Und Entspannung steht ja vielfach im Vordergrund.

 

Zumindest ein glückliches Gefühl. Es ist mehr als nur eine Ablenkung für einige Stunden im Wald unterwegs zu sein. Lange Läufe, kurze Läufe, ich versuche, nicht mehr auf Kilometer-Angaben und Umfänge zu achten und laufe, solange ich Lust empfinde. Das geht zu Corona-Zeiten, hätte ohne Corona aber wohl auch geklappt. Die Frage ist: hätte ich den Unterschied wahrgenommen? Ich weiß es nicht. Es macht aber wenig Sinn, einen Spaß einzustellen oder zu minimieren, nur weil sich am Horizont ein mutmaßliches Ziel plötzlich verwaschener darstellt.

 

Zeit ist nur ein relativer Faktor, wenn Homeoffice und allgemeine Kontaktlosigkeit den Tagesablauf bestimmen. Ich bin anfangs die Strecken gelaufen, die ich schon lange nicht mehr gelaufen bin. Von Duisburg kommend nach Mintard, Selbeck, Rheinbrücken, Theater an der Ruhr, Halden, später Schwarzwald, Stoot und bis zum Elfrather See. Genossen habe ich die Routen immer, auch früher schon. Am Rhein lief ich nunmehr im März erstmals in meinem Leben einen Trainingslauf über 40 Kilometer, ganz ohne Medaille, Streckenabsperrung und Ovationen. Hab ich nie zuvor gemacht. Einen Qualitätssturz in Sachen Genussfaktor habe ich dabei nicht wahrgenommen. Es war anders, aber nicht schlecht –  je länger ich darüber nachdenke, war es sogar gut.

 

Läuferische Ziele? Für einen bestimmten Wettbewerb? Was das betrifft im Ist-Zustand: Keine! Ich bin schon mal einen Marathon gelaufen und muss das nicht zwingend noch mal machen.

 

Macht das was mit mir – beim Laufen? Empfinde ich Unterschiede, Einschränkungen? Vermisst, ja stark vermisst, habe ich in den ersten Wochen die gemeinsamen Unternehmungen mit meiner Laufpartnerin. Sowohl lange als auch entspannte Läufe im Team, die Gespräche auf teils spannenden Trails, schweigsame Minuten an der Ruhr, das füreinander da sein beim Lauf und in den Atempausen – und Quatsch und Quatschen. Verkürzt: Das Laufen mit Menschen, das Laufen als soziale Komponente kam zwischenzeitlich abhanden. Wir haben uns wirklich über viele Wochen an die sinnvolle Kontaktsperre gehalten und es später, als wir dann wieder zu zweit gelaufen sind, sehr genau genommen mit dem Abstand. Das hat funktioniert, auf engen Wegen hintereinander, auf breiten Wegen nebeneinander. Und wir sind dabei sogar richtig gut. Prima, wenn es praktikable Lösungen gibt, erst recht in unsicheren Zeiten. Bestimmt klappt es bald auch wieder zu dritt, zu viert, irgendwann sogar in großen Gruppen, wenn es gefällt.

 

Bei den Sololäufen, die es auch schon früher gab und weiterhin gibt, rauscht so einiges durch den Kopf, was nicht zwangsläufig für den oft gesuchten freien Kopf, als Synonym für Klarheit, sorgt. Vermutlich weil so viele Fragen unbeantwortet bleiben Auch auf 30 Kilometern gibt es für vieles keine Lösung. Klar geworden ist mir allerdings, dass ich in diesen Tagen, in denen ich mein Laufpensum stark erhöht habe, keine Langeweile empfinde, auch wenn ich mir das bisweilen mal eingebildet hatte. Laufen bzw. Sport aus Langeweile, weil jetzt Zeit dafür vorhanden ist? Langeweile ist vielmehr ein nutzloser Begriff und wäre ein Affront gegenüber jenen, die in verschiedenen Situationen wirklich kämpfen, leiden, weinen – und zwar nachhaltig. Langeweile ist nicht existent und kann es auch nicht sein.

 

Niemand kann leben, bis die letzten Flaschen leer sind. Gehen wir von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren aus, dann sind das 960 Lebensmonate, von denen wir sagen wir mal 800 bewusst erleben; großzügig gerechnet. Ein Monat Einschränkung, wie sie in Corona-Zeiten ausgeübt wird, bedeutet 0,125 Prozent verminderte Lebensqualität auf das Leben gerechnet, rein das Jetzt betreffend, nicht den Faktor Wirtschaftswachstum und Auswirkungen auf den Handel, etc. einbezogen. 2 Monate sind 0,25 Anteile, etc.. Das ist nicht viel an Verlust der persönlichen Freiheit die uns ja (durch Einschränkungen, gebuchte und verpasste Läufe, etc.), abhanden zu kommen scheint.

 

Wobei diese persönliche Freiheit in einer Gesellschaft, als Gemeinschaft zum Wohl eben dieser Gemeinschaft, ohnehin zu vernachlässigen sein müsste. Diese philosophische Frage hat mit Abstrichen auch schon Kirk und Spock seit Star Trek 2, Zorn des Khan, beschäftigt. Weil das Wohl von Vielen schwerer wiegt als das Wohl von Wenigen (Spock, logisch) oder weil das Wohl von Einem genauso schwer wiegt, wie das Wohl von Vielen (Kirk, emotional). Das ist alles andere als SciFi, sondern kann maßgeblich sein in der Beurteilung und der Abwägung von Meinungen, die bisweilen aufploppen. In diesem Zusammenhang: Wie wichtig ist ein Lauf, wie ultra-schwer oder gar federleicht wiegt Glück? Dient der Lauf, um genau dieses Glück, das Wohl von Vielen und des Einzelnen, zu erlangen? Bestimmt gibt’s die Antwort an jeder Ecke, die im Sprint erreichbar ist.

 

Laufen ist keine Lösung, wenn untergeordnete Aspekte ausgeklammert werden. Es ist bemerkenswert, wie schnell wenige Wochen „anders leben“ aufs Gemüt schlagen können. Im Leben ändern sich bisweilen die Gewohnheiten, mal langsam, mal schneller, doch meist mit einer gewissen Dynamik mit Spannungselementen. In dieser Situation bis du zunächst vor ‘ne Wand geprallt und hast die Kunst des Abfederns geübt. Auch das hat sich in meiner Wahrnehmung inzwischen relativiert.

 

Corona bleibt meines Erachtens ein Risiko, auch bei Läufen und zwangsläufig bei Laufveranstaltungen, wenn diese mal wieder durchgeführt werden. Übertrifft der Faktor Sehnsucht dann alle Vorsicht? Ist Angst als positives Grundgefühl, als Reflex zur Sicherheits-Sensibilisierung wichtig? Hilfreich? Nötig? Vorhanden? Respekt! Ich hab durchaus Respekt vor dieser Herausforderung und dem, was noch kommt. Wer herausfordernde Strecken laufen kann, kann auch Berge versetzen, habe ich gelernt und erfahren. Und auch dafür brauche ich nicht zwangsläufig eine Startnummer.

 

Wenn du das Wetter nicht magst, warte einfach fünf Minuten, heißt es in Schottland (nicht meine Erkenntnis, habe ich im TV gehört), wohl wissend, dass Änderungen ständig zu erwarten, unabänderlich und gewiss auch unvermeidbar sind. Und bestimmt lässt sich das auf viele weitere Lebensbereiche anwenden. Alles hat seine Zeit. Vielleicht ist das Akzeptieren der unvermeidbaren Begebenheiten und das Arrangieren damit, eine elementare Möglichkeit, Glück zu empfinden. In diesem Fall natürlich das Glück beim Laufen, egal auf welcher Strecke. Das ist jetzt keine Erkenntnis, eher ein Empfinden. „Good vibrations“ sind wichtig und genussvoll, glaubt der Ire Seamus, King of Connemara. Ich glaub das auch.

 

Und, dass im Mai situationsbedingt von Andrea eine Büdchenlauf-Challenge ausgerufen wurde, fand und find ich übrigens klasse. Ein wunderbarer Spaß und ein echtes Ziel frei von jeder Orientierungslosigkeit. In dieser und vermutlich auch in jeder anderen Zeit. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

 

Roland Leroi

 

 

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